SPD-Fraktion Volkach, 13.06.2026
An den Ersten Bürgermeister Herrn Heiko Bäuerlein Marktplatz 1 97332 Volkach
Die geplante Reaktivierung der Kartause Astheim durch die moderne Kunstsammlung von Dr. Jürgen Lenssen beinhaltet die Möglichkeit, das kulturelle und touristische Angebot für die Mainschleife zu erweitern.
Um jedoch das finanzielle Risiko für den kommunalen Haushalt im Sinne einer verantwortungsvollen Haushaltsführung vollumfänglich zu prüfen und ein unkalkulierbares „Fass ohne Boden“ abzuwenden, stellt die SPD-Fraktion folgenden erweiterten Antrag zur Behandlung in der nächsten Sitzung des Stadtrates:
Die Verwaltung wird beauftragt, bis zur abschließenden Beschlussfassung über die Annahme der Sammlung Dr. Lenssen verbindliche, schriftliche Angebote von spezialisierten Kunstversicherern einzuholen sowie eine fundierte Wirtschaftlichkeitsberechnung zu den Betriebskosten zu erstellen und dem Stadtrat zu folgenden Punkten detailliert Bericht zu erstatten:
Wie hoch beziffert sich die exakte jährliche Versicherungsprämie für den dauerhaften Schutz der ca. 160 Kunstwerke (inkl. der Werke von Joseph Beuys) im Rahmen einer „All-Risk“-Police (inkl. Vandalismus-, Diebstahl-, Brand- und Wasserschäden)? Es ist sowohl die Option einer dauerhaften Schenkung als auch die Option einer zeitweisen Leihgabe kostenmäßig darzustellen.
Welche einmaligen Kosten entstehen für den versicherten Abbau beim Sammler, den fachgerechten Transport nach Astheim und das dortige Aufhängen?
Welche exakten technischen Mindestanforderungen (z. B. der Einbruchmeldeanlage, Videoüberwachung, mechanische Sicherungen wie RC3/RC4-Türen oder zertifizierte Sicherheitsvitrinen) macht die Operationalisierung des Versicherungsschutzes zur zwingenden Bedingung?
akzeptiert der Versicherer das geplante „Pop-Up-Modell“ mit einer rein ehrenamtlichen Betreuung durch den Freundeskreis Kartause Astheim e.V. und welche spezifischen Nachweise (z. B. Schulungen, Mindestanzahl an Aufsichtspersonen) werden hierfür verlangt?
Welche verbindlichen Vorgaben macht die Versicherung bezüglich des Raumklimas (Temperaturkorridor, relative Luftfeuchtigkeit, UV-Schutz an Fenstern) zum Schutz der empfindlichen Exponate?
Zukünftige Energiekosten durch Klimatisierung und Entfeuchtung: Wie hoch werden die prognostizierten jährlichen Strom- und Heizkosten beziffert, die durch den Betrieb von mobilen oder fest installierten Klimageräten, Luftentfeuchtern und Heizsystemen entstehen, um die von der Versicherung geforderten Klimawerte in den historischen Klosterräumen rund um die Uhr (24/7) konstant zu halten?
Eine verlässliche Entscheidung über die Annahme der Sammlung kann erst getroffen werden, wenn alle Folgekosten transparent auf dem Tisch liegen. Da die Sammlung Werke von internationaler Bedeutung (u. a. Joseph Beuys) umfasst, bewegen sich die potenziellen Versicherungswerte in einem Bereich, der bei unzureichender Absicherung zu erheblichen finanziellen Risiken für die Stadt Volkach führen kann.
Ein oft unterschätzter Kostentreiber bei historischen Baudenkmälern sind die dauerhaften Energiekosten. Da moderne Kunstwerke – insbesondere Papierarbeiten und organische Materialien – empfindlich auf Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen reagieren, verlangen Versicherer starre Klimakorridore. Die kontinuierliche Beheizung, Kühlung und Entfeuchtung der alten Kartäuser-Räume führt zu erheblichen, wiederkehrenden Verbrauchskosten. Diese laufenden Energiekosten müssen vorab exakt berechnet werden, um eine unkontrollierbare Belastung des städtischen Haushalts auszuschließen.
Mit freundlichen Grüßen Barbara Nikola-Bier SPD Fraktion